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Der neunte Arm des Oktopus

Bücher
Dirk Rossmann - Der neunte Arm des Oktopus

Mit Oktopoden habe ich mich nie beschäftigt, darum sind sie mir vielleicht auch unheimlich. Schnell, glipschig, sehr intelligent, Einzelgänger, wenig erforscht,  aber lecker. Nach der Lektüre von Dirk Rossmann´s „Der neunte Arm des Oktopus“ werde ich meine Menüwahl sehr genau überdenken, aus Hochachtung vor dem Oktopus.
Im Laufe der Geschichte wird erklärt, wie der Titel zustande kommt.
Das Buch ist als Thriller deklariert und wird dem gerecht, auch wenn der Ausgang etwas vorhersehbar ist. Zu Beginn des Buches wird uns unterhaltsam anhand eines verbalen Zeitstrahls vor Augen geführt, welch geringen Zeitraum wir Menschen erst auf der Erde leben, und im Verhältnis dazu, welchen großen Schaden wir bereits angerichtet haben.  
Der Autor ersinnt eine Vision, die vorstellbar ist, die jedem von uns aber sehr viel abverlangt. In seinem Buch verbünden sich jetzt und heute die großen Nationen dieser Welt, Russland, China und die USA, zu den G3. Die Regierenden sind sich einig, dass der Klimaschutz das oberste Gebot auf dieser Welt sein muss. Mehr braucht es nicht. Greta hat Recht, ob wir das nun hören wollen oder nicht. Dem Klimaschutz muss alles untergeordnet werden, damit alle überleben können.
Fest steht, dass das unzähligen Menschen nicht gefällt. Denen, die mit Waffen ihr Geld verdienen, die von Brandrodung leben, die „Wir sind das Volk“-Rufer, die Unterdrückung wittern. Die G3 drohen mit Gewalt gegen Staaten vorzugehen, die sich nicht den Klimazielen unterwerfen. Alle unverbindlichen Verträge der Vergangenheit, alle freundlichen Bekundungen zu handeln, sind tatenlos verhallt. Rossmann denkt sehr radikal und belegt seine Strategie mit Fakten. Das ist für mich das Faszinierende an diesem Buch. Alles wird erklärt, und das in einem charmanten, verständlichen Stil. Die Recherche dahinter muss unglaublich aufwendig gewesen sein. Es ist dem Autor gelungen weit über „urban gardening“ und Robotics hinaus zu zeigen, was möglich ist, was wir in unserem Denken nicht außer acht lassen dürfen, wovor wir keine Angst haben sollten. Die Welt wird sich verändern, mit oder ohne unser Zutun. Wissenschaft wird hier als Macht gesehen, die angewendet werden muss, die genutzt werden muss.  
„Der neunte Arm des Oktopus“ spielt auf zwei Ebenen. Eine im Mai 2100, wo sich in Paris ein elitärer Kreis von Wissenschaftlern zum privaten Austausch und Disput trifft. Die zweite in der unmittelbaren Zukunft, 2025, mit Protagonisten über die Erde verteilt. Eine Krankenschwester in Nigeria, eine Lehrerin in Indien und einen Koch in Brasilien. Ein Großteil des Plots spielt in Brasilien, sodass der Koch eine tragende Rolle übernimmt.  
Dem Autor gelingt es, in Welten einzutauchen, die dem Normalbürger völlig fremd sind. Politik, Geheimdienste, Militäroperationen, Geburtenkontrolle, genauso wie synthetisiertes Fleisch, ärztliche Humanoide, und künstliche Intelligenz, die Bewusstsein verändert.
Die positive Idee, dass sich die Supermächte zusammen tun, ist suspekt. Die Regierenden sind sich einig, dass es die nächsten Generationen nicht mehr geben wird, wenn wir so weiter leben wie heute. Die Ausbeutung der Erde wird keine übernächste und folgende Generation leben lassen. Und doch wird von einer Öko-Diktatur gesprochen, Länder lehnen sich dagegen auf und das, obwohl sicher gestellt wird, dass die wirtschaftlichen Folgen aufgefangen werden. Viele Staaten, allen voran Brasilien, wollen sich dem Diktat nicht beugen. Diesen Faden greift der Autor auf und spinnt daraus eine rasante Geschichte um Geheimdienste, Offiziere, Loyalität, Werte und Reichtum. Lässt uns dabei aber auch immer wieder den Blick auf die Krankenschwester, die Lehrerin und den Koch werfen. Lässt uns schauen, was Umweltkatastrophen bereits angerichtet haben, was Armut und Elend bedeuten, was islamistische Sturheit anrichten kann, und was Bildungsmangel für Folgen hat.   
Der Autor schafft eine Vision, die absurd erscheint, völlig abwegig und doch irgendwie logisch.  
Ein spannendes, kluges, weitsichtiges Buch, zudem klimaneutral hergestellt. Sehr lesenswert !






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Carmen Ritter
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